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Das ZDF meldete am 19. Januar 2019 mit Bezug auf den Lagebericht des Verfassungsschutzes zur AfD, dass das Netzwerk „Russlanddeutsche für die AfD“ wegen Anhaltspunkten für völkisch-nationalistische Einstellungen“ und „islamfeindliche Positionen“ im Visier der Behörde stehe. Der folgende Text soll den Hintergründen nachgehen, die eine sicherheitsbehördliche Beobachtung der russlanddeutschen Netzwerke in der AfD insbesondere durch die Abteilung „Rechtsextremismus“ – nahelegen könnten.

Ein Bundestagsmitarbeiter mit Vorgeschichte

Im Februar 2018 wurde eine Meldung auf „Focus-Online verbreitet, wonach der russlanddeutsche AfD-Bundestagsabgeordnete Waldemar Herdt mit Heinrich Groth (Bildquelle) grotheinen Mitarbeiter beschäftige, der vom Verfassungsschutz beobachtet werde. Die Meldung war schon kurz darauf aus unbekannten Gründen nicht mehr zugänglich. Eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit russischen Geheimdiensten oder der russischen Regierung wurde laut Spiegel von Groth dementiert. Falls es eine gemeinsame Personaldatenbank des Bundes gibt, sollte es relativ einfach gewesen sein den neuen Mitarbeiter einzupflegen, denn er bezog bereits einmal Gelder aus dem Bundeshaushalt. Ab 1994 war er in der Ukraine zunächst als „Experte für die Situation der deutschen Minderheit“ engagiert und erhielt dann als Vorsitzender der deutschen Minderheitenorganisation bis 2001 Zuschüsse zu Sach- und Personalkosten in unbekannter Höhe. Nach der Streichung dieser Zuschüsse übersiedelte Groth aus der Ukraine nach Deutschland.

Doch die Ukraine war beileibe nicht die erste Station in der Beziehung des Herrn Groth zur Bundesrepublik. Zuvor war er bis 1993 Vorsitzender der russlanddeutschen Organisation „Wiedergeburt“ in der damaligen russischen Föderation. In dieser Eigenschaft war er Anfang der 1990er Jahre Verhandlungspartner der Bundesregierung (Abb.1, 1.v.r.) groth-waffenschmidtbeim Versuch den Zustrom der „Spätaussiedler“ aus der ehemaligen Sowjetunion zu stoppen oder wenigstens zu kanalisieren. Dabei trat Groth mit maximalistischen Forderungen nach einer Wiedererrichtung der ehemaligen „Wolgarepublik“ in Erscheinung. „Die Maximalisten unter den Rußlanddeutschen in der Vereinigung „Wiedergeburt“ mit Heinrich Groth an der Spitze haben die Forderung nach Wiederherstellung der historisch und psychologisch symbolträchtigen Wolgarepublik ultimativ erhoben und für den Fall der Nichterfüllung mit organisierter Aussiedlung gedroht.“  (Olt, 1992). Er verließ die „Wiedergeburt“ 1993 in heftigem Streit, erklärte das Projekt Wolgarepublik trotz laufender Verhandlungen für beendet, favorisierte mal die massenhafte Übersiedlung in die Ukraine, mal nach Königsberg, mal nach Argentinien und trug wohl insgesamt – vorsichtig ausgedrückt – nicht zu einer pragmatischen Lösung der Aussiedlerfrage bei. Wie es genau dazu kam, dass Groth ab 1994 durch Deutschland in der Ukraine finanziert wurde, konnte im Rahmen dieser Recherche nicht aufgeklärt werden. Festzuhalten ist, dass er es schon in den 90ern verstand, seinen Einfluss auf ein bestimmtes, rechtslastiges Klientel unter den Russlanddeutschen als Drohkulisse gegenüber der bundesdeutschen Politik einzusetzen. Damals drohte er mit dem Aufruf massenhaft die „Republikaner“ zu wählen.

Verfassungsschutz zum Ersten: Der „Fall Lisa“

Zu den Vernetzungsorten der sehr rechtslastigen russlanddeutschen Szene zählte bis vor Kurzem der „Konvent der Russlanddeutschen“ mit seiner Internetseite „genosse(.)su“, auf der auch schon einmal Bücher über Rassentheorien empfohlen werden. Dieser Verein und seine Internetseite dürften die Verfassungsschutzabteilung Spionageabwehr auf den Plan gerufen haben, da sie eine zentrale Rolle beim Fall „Lisa“, den russlanddeutschen Demonstrationen Anfang 2016 und den damit verbundenen russischen Desinformationskampagnen (siehe hier, hier, hier, hier oder hier) spielten. Vorsitzender dieses Vereins ist Heinrich Groth (Vereinsregister Berlin-Charlottenburg, VR 22727 B).

Die altmodisch anmutenden, anonym registrierte, Internetseite des Konvents hatte seit Januar 2018 ein moderner aufgemachtes Pendant (konvent(.)info), das mit derselben Email-Adresse wie genosse[.su von einem Herrn Gessen aus Dnepropetrovsk in der Ukraine registriert wurde. Stand Januar 2019 sind beide Seiten nicht mehr online. Der Verein verstand sich als Nachfolgeorganisation der Vereinigung von Russlanddeutschen in der ehemaligen Sowjetunion namens „Wiedergeburt“, deren Vorsitzender Heinrich Groth bis 1993 war. Mittlerweile arbeiten (mit Groth) zwei Vertreter des Konvents der Russlanddeutschen im Deutschen Bundestag. Der AfD-Abgeordnete Waldemar Herdt ist so stolz darauf, dass ihn sein Angestellter Groth mit der Wahrung der Interessen des Konvents beauftragt hat, dass er dies sogar in seiner Bundestagsbiografie erwähnt. Die offizielle Vertretungsvollmacht prangte in deutscher und russischer Sprache auf der Seite des Konvents.

Interessant ist, wem der Konvent auf seiner Seite eine Veröffentlichungsplattform bot, mit wem man demnach Kontakte und/oder eine Zusammenarbeit annehmen kann. Eine genauere Betrachtung lohnen hier die Autoren Andrej Triller und Heinrich Daub. Sie führen zu zwei einem breiteren Publikum eher unbekannten rechtsextremen Organisationen und deuten darauf hin, dass die Personalie Groth mutmaßlich schon länger im Visier der Verfassungschutzbehörden sein könnte und zwar im Bereich Rechtsextremismus.

Verfassungsschutz zum Zweiten: Der „Arminiusbund

Die erste dieser rechtsextremen Organisationen ist der Arminius-Bund, eine russlanddeutsche Kleinstpartei, die aus einer Unterorganisation der NPD hervorging und vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet wird , da er

“ in der ideologischen Tradition des Nationalsozialismus [steht] und sich (…) auch öffentlich dazu [bekennt], wie die teilweise wörtliche Übernahme des „25-Punkte-Programms“ der NSDAP verdeutlicht. Die Partei knüpft unmittelbar an das nationalsozialistische Leitbild der Volksgemeinschaft an. Sowohl die adaptierte Ideologie des Nationalsozialismus als auch die rassistische Doktrin des Ethnopluralismus sind unvereinbar mit den Werten der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Zudem pflegt die Partei Beziehungen zu anderen rechtsextremistischen Organisationen, wie zum Beispiel der NPD oder der Europäischen Aktion.“ (Verfassungsschutzbericht NRW 2016)

Im Videokanal des Arminius-Bundes findet sich – neben illustren anderen Aufnahmen – ein Gespräch mit Heinrich Groth vom März 2015. Am 13.02.2016 führte der Arminius-Bund eine „Lisa„-Kundgebung durch (Verfassungsschutzbericht NRW 2016). Bundesvorsitzender des Arminius-Bundes ist zurzeit Johann Thießen. Thießen steht gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Andrej Triller noch einem weiteren Zusammenschluss rechtsextremer Russlanddeutscher vor, und zwar den Russlanddeutschen Konservativen und der von ihnen betriebene Plattform „Volksdeutsche Stimme“. triller-thiessen-zündelDas Bild (Bildquelle) zeigt die beiden Vorsitzenden des Arminiusbundes Triller und Thiessen 2015 beim gemeinsamen Camping mit dem verurteilten rechtsextremistischen Holocaust-Leugner Ernst ZündelThiessen und Triller unterhalten ebenfalls freundschaftliche Kontakte zu dem schweizerischen Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, dem Gründer der „Europäischen Aktion“ Die EA ist eine Dachorganisation europäischer Holocaust-Leugner und Rechtsextremisten. Seit mindestens 2015 gibt es Hinweise auf wehrsport-ähnliche Übungen. 2017 erfolgte eine Großrazzia mit Waffenfunden. Offiziell löste sich die EA in Deutschland danach auf. Der „Landesleiter Österreich“ wurde im März 2018 unter dem Verdacht der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung festgenommen. Schaub soll mittlerweile in Deutschland leben. Thiessen und Triller nahmen am 10.5.2018 an der Neonazi-Demonstration für die inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck vor der JVA Bielefeld teil, wie eine Fotodokumentation von Recherche-Nord zeigt. Auch am 10.11.2018 beteiligten sich beide an einem Neonazi-Aufmarsch in Bielefeld, wie das Team von Pixelarchiv dokumentiert hat.

Die Plattform der „Russlanddeutschen Konservativen“ verlinkt auf eine Reihe verfassungsfeindliche rechtsextreme Organisationen und auch auf die AfD.  Die deutschsprachige und die russische Seitenversion sind offenbar nicht völlig identisch. Heinrich Groth publizierte auf dieser Plattform mindestens zwei Artikel zum Thema „Lisa“ (hier und hier, verbunden mit allgemein politischen Forderungen und Ausführungen über die „Vasallenabhängigkeit Deutschlands von den USA„).

Bei den Russlanddeutschen Konservativen ist auch Heinrich Daub aktiv, Chefredakteur eines in diesen Kreisen seit vielen Jahren beliebten Mediums und Vernetzungsorgans, nämlich der Zeitschrift Ost-West-Panorama. Sie wurde 2008 einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als das WDR-Magazin Westpol aufdeckte, dass Daub und Verleger Viktor Harder – beide damals noch CDU-Mitglieder – , hier antisemitischen und rechtsextremen Inhalten eine Plattform boten. Nachdem die Vorgänge um die Zeitschrift auch den Bundestag erreicht hatten, stellte diese ihr Internetangebot ein und ist seitdem nur noch als Printausgabe zu beziehen. Nach seiner Übersiedlung aus der Ukraine nach Deutschland veröffentlichte das „Ost-West-Panorama“ schon 2003 Beiträge von Heinrich Groth.

Der Chefredakteur der Zeitschrift, Daub, sprach 2016 bei der „Lisa„-Demonstrationen des Arminiusbundes. In einem Beitrag auf der Seite des Arminiusbundes beklagte er den Zustand, dass Deutsche „Menschen aus fremden Rassen“ heiraten würden. Die „Russlanddeutsche AfD“ konnte dieses Umfeld jedoch nicht abschrecken. Sie teilt Beiträge des Magazins und ließ Daub in ihrem YouTube-Kanal für die Wahl der AfD werben. Zudem sprach er 2017 bei der Gründungsversammlung des „Koordinierungszentrums der Russlanddeutschen„. Nach Bekanntwerden des Verdachts auf Überwachung Groths durch den Verfassungsschutz schrieb Daub einen langen Artikel über diese angebliche „Falschmeldung“ und eine „Verleumdungskampagne“, den die „Russlanddeutsche AfD“ auf ihrer odnoklassniki-Seite teilte.

Verfassungsschutz zum Dritten: Der „Schulverein zur Förderung der Deutschen in Ostpreussen“

Neben dem Konvent hat der Bundestagsmitarbeiter Groth noch einen weiteren Vereinsvorsitz inne. Er steht dem „Schulverein zur Förderung der Deutschen in Ostpreussen“ vor. Zweiter Vorsitzender dieses Vereins ist der bei Sicherheitsbehörden lange einschlägig bekannte Helge Redeker, der in Sachsen gemeinsam mit seiner Frau ein Neonazi-Feriencamp unterhält, weiteres Vorstandsmitglied seit 2015 ein AfD-Kreistagsabgeordneter (Odenwaldkreis) namens Martin Rautenberg. Die Intention und das Wirken des Schulvereins wurden zuletzt von Redekers in die Naziszene hineingeborene und in Jugendlagern der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ sozialisierten Tochter, die aus der Szene ausgestiegen ist und mit ihrem Vater gebrochen hat, anschaulich beschrieben:

„1993 hatte mein Vater zusammen mit dem Verleger Dietmar Munier die „Gesellschaft für Siedlungsförderung in Trakehnen mbH“ gegründet. Ziel des Vereins war die „Regermanisierung Ostpreußens“ Er wollte ehemals deutsches Land (…) zurück nach Deutschland holen (…). Dietmar Munier war in den Siebzigern führendes Mitglied beim Bund Heimattreuer Jugend gewesen und hatte es anschließend zum Verleger rechtsextremer und geschichtsrevisionistischer Literatur gebracht (…) Und ein paar Jahre später hatten sie mitten im Nirgendwo ein Dorf (…) aus dem Boden gestampft. Sie nannten es die Agnes- Miegel Siedlung. Agnes Miegel war eine hitlertreue Schriftstellerin, die (…) 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterschrieben hatte (…) Sie dichtete mehrere Hymnen auf Hitler, zum Beispiel eine mit dem Titel „Dem Führer“. In der Schule der Siedlung lernten die Kinder nicht nur Deutsch sondern sie wurden auch in nationalsozialistischem Gedankengut unterwiesen. (…) Einmal im Jahr trafen sich die Mitglieder des Fördervereins in einem schicken Hotel (…). Untermalt wurde das große Fressen von Akkordeonmusik und Volkstanzdarbietungen der russlanddeutschen Gäste.“ (Benneckenstein, 2017, S. 39-40, Schulausgabe)

Heinrich Groth stand seit Projektbeginn in Kontakt mit dem Siedlungsprojekt, in einem Interview mit dem Spiegel bezeichnete er sich 1992  – damals noch als Vorsitzender der Russlanddeutschen in der GUS – als Bürger Königsbergs. Mit dem Vorstand des Konvents der Russlanddeutschen besuchte er 2005 – nunmehr von Deutschland aus – die Agnes-Miegel-Siedlung. Die Aktivitäten des Vereins in Kaliningrad waren mehrfach Gegenstand in Verfassungsschutzberichten und Thema im Bundestag. Ob und wenn ja wie der Verein gegenwärtig noch in Ostpreußen aktiv ist, ist unklar. In Erscheinung getreten ist er in den letzten Jahren unter der Leitung Groths in Deutschland als Organisator des sogenannten „Lesertreffens“ der in einem Verlag Muniers erscheinenden Zeitschrift „Zuerst!“ (Abbildung eigene Aufnahme).schulverein-flyer Auch die pro-russische, rechtslastige Zeitschrift „Zuerst“ und die Aktivitäten ihres Chefredakteurs Manuel Ochsenreiter im In- und Ausland sind mittlerweile einem größeren Publikum bekannt. Die Details würden einen eigenen langen Text erfordern. Hingewiesen sei an dieser Stelle nur auf den Verein namens „Deutsches Zentrum für Eurasische Studien“ (DZfES), den Ochsenreiter zusammen mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier, dem AfD-Landtagsabgeordneten Thomas Rudy und dem gegenwärtig in Polen wegen des Verdachts auf Spionageaktivitäten inhaftierten Mateusz Piskorski im Jahr 2016 gründete. Ein ausführlicher Bericht zu den Hintergründen des DZfES findet sich hier und hier. Ochsenreiter war ebenfalls eine Zeitlang Mitarbeiter im Bundestags (bei MdB Frohnmaier), verließ diese Stelle aber im Januar 2019 im Zusammenhang mit Anschuldigungen über eine Beteiligung an einem Brandanschlag auf ein ungarisches Kulturzentrum in der Ukraine.

Die Krim-Connection

Der jetzige Bundestagsabgeordnete Frohnmaier reiste schon 2015 mit Ochsenreiter in die Separatistengebiete in der Ost-Ukraine und besuchte zusammen mit dem damaligen AfD-NRW-Landesvorsitzenden Pretzell sowie Piskorski auf russische Einladung hin das Jalta-Forum auf der von Russland annektierten Krim. Doch nicht nur Frohnmaier stellte sich mit einem bezahlten Ausflug auf die sonnige Halbinsel in den Dienst der russischen Propaganda. Dafür sorgte der Kreml 2015/2016 mit Finanzzuweisungen in Höhe von 7,5 Mio. Rubel, die unter dem Titel Volksdiplomatie“ oder „Public Diplomacy firmierten. Im Jahr 2015 flossen für das Programm „Volksdiplomatie. Gegenseitiges Verständnis zwischen Nationen“ und in 2016 für das Programm Bürger Europas – die Wahrheit über die Krim. Realität gegen Mythen. Die Bildung eines positiven Bildes der Russischen Föderation im Ausland, der Durchbruch der Informationsblockade im Zusammenhang mit den Krim-Veranstaltungen“ Fördergelder aus Moskau. Verwaltet werden diese Fördermittel durch die deutsche Minderheitenorganisation unter der Leitung des Abgeordneten des de-facto-Staatsrates der Krim, Juri Gempel (Bildquelle). gempelEs gibt offensichtlich Kontakte zwischen dem AfD-Bundestagsmitarbeiter Heinrich Groth und dem Vorsitzenden der krimdeutschen Vereinigung Juri Gempel. Angesichts der Tatsache, dass Groth jahrelang der Vorsitzende der Ukrainedeutschen war, ist dies kaum verwunderlich. So schrieb Groth Beiträge für den Internetauftritt und die Zeitung der deutschen Minderheit, z.B. über den „Fall Lisa“ oder darüber, dass Deutschland kein souveräner Staat sei, von den USA kontrolliert werde und nach dem Plan der Weltfinanz vollständig privatisiert und wirtschaftlich zerstört werden solle.

Von der Krim zurück in die deutsche Szene

Auch 2018 machten einige Afdler einen gemeinsamen Ausflug zum „Wirtschaftsforum“ auf die annektierte Krim. Das Bild (Bildquelle) lindemann-gretzinger-schnidtzeigt den Berliner Abgeordneten Lindemann, den russlanddeutscher Rentner Richard Gretzinger und den Vorsitzenden der russlanddeutschen AfD Egon Schmidt. Gretzinger ist AfD-Mitglied und ein Verbindungsglied zurück zum Konvent der Russlanddeutschen. Er unterzeichnete kurz vor der Reise einen offenen Brief auf der Konvent-Webseite bzw. hier mit Verfassernamen. Der Brief, der von 41 Personen, darunter neben Gretzinger, Heinrich Groth, Heinrich Daub und drei Vorstandsmitgliedern des Arminiusbundes unterzeichnet wurde, richtet sich an Albina Nazarenus-Vetter (CDU), die in einer TV-Dokumentation über Russlanddeutsche porträtiert wurde. Als Autor des Briefes zeichnet Viktor Streck (siehe unten) Einige Zitate, aus der die völkische Ideologie der Beteiligten unzweifelhaft deutlich wird (Google-Übersetzung):

Gott bewahre mich und meine lieben Deutschen vor der Integration in das Sodom und Gomorrha, das die etablierten Parteien und auch Ihre CDU in unserer deutschen Heimat errichten wollen! Nicht wir müssen uns in die deutsche Kultur und das deutsche Denken integrieren, sondern Sie und Ihresgleichen, die zu heimatlosen Globalisten verkommen sind.

…die Homosexualität, die Sie und Ihre Partei unermüdlich propagieren, ist ein Gräuel in den Augen Gottes. Und so sehen es auch die meisten Deutschen aus Russland.

Mit Ihrer Gender-Ideologie verführen Sie im sogenannten Sexualunterricht die Minderjährigen. Sie missbrauchen ihr kindliches Vertrauen, um sie mit Ihrer zum Himmel schreienden Sittenlosigkeit zu infizieren

…dass Ihre verkommene Weltanschauung nichts mit dem Christentum zu tun hat. Sie entstammt den krankhaften Vorstellungen solcher Philosophen wie Carl Popper, der die Grundsätze der offenen Gesellschaft formulierte. Eine verbrecherische Ideologie, die darauf abzielt, die Nationalstaaten und die Völker gänzlich abzuschaffen

Wir sind nach Deutschland gekommen, um als Deutsche unter den Deutschen zu leben und nicht in Ihrem gleichgeschlechtlichen Multi-Kulti-Paradies

…ich wage es zu behaupten, dass die überwiegende Mehrheit der Russlanddeutschen die globalistische, perverse Ideologie Ihrer Partei nicht nur ablehnt, sondern auch verabscheut.

Der russische Präsident verteidigt trotz vielerlei Probleme in seinem Land gerade die Werte, die für die meisten Russlanddeutschen besonders wichtig sind: Heimatliebe, Patriotismus, Familie, christliche Werte usw. Mit einem Wort: ein Menschenbild, das für jeden normal fühlenden Menschen überall auf dieser Welt als durchaus sympathisch erscheint. Der Hass der westlichen Eliten gegen Putin hat nur einen einzigen Grund: Der russische Präsident lehnt den Globalismus und dessen perverse Vorstellungen vom Leben entschieden ab. 

Dieser Brief ist interessant, weil er die fortbestehende Zusammenarbeit von Heinrich Groth mit dem Personal des Arminiusbundes (zur Erinnerung: wird vom VS NRW beobachtet, weil er „in der ideologischen Tradition des Nationalsozialismus steht“) dokumentiert und zeigt, dass das Führungspersonal der „Wiedergeburt“ (siehe oben) nach Deutschland übergesiedelt ist, hier Netzwerke reaktiviert hat und eine Heimat in der AfD gefunden hat.

Der Jubiläumskongress der „Wiedergeburt“

Diese Szene traf sich am 28./29. April 2018 in Berlin zu einem Kongress anlässlich des 30jährigen Jubiläum der „Wiedergeburt“. Organisiert wurde der Kongress u. a. von Heinrich Groth und Andrej Triller (Arminiusbund).

Der Kongress verabschiedete ebenfalls eine Resolution (archiviert), die unter anderem folgende geschichtsrevisionistische und völkische Kernpunkte auflistet:

Aber heutzutage sind die Deutschen aus Russland und vor allem die noch lebenden „Wiedergeburt“-Mitglieder gefordert, nicht nur die demografische Situation Deutschlands zu verbessern, sondern auch zur moralischen Gesundung des deutschen Volkes beizutragen sowie zu seiner Befreiung vom übertriebenen Schuldkomplex für die “Entfesselung des Zweiten Weltkrieges“, der unserem Volk von den Siegermächten aufgezwungen worden ist.

Deutschland wird heutzutage durch Millionen der so genannten Flüchtlinge überflutet, die uns von der Kultur und Religion her fremd sind. Еs besteht eine reale Gefahr, dass das Deutsche Volk zur Minderheit auf eigenem Grund und Boden wird. Die politische Führung Deutschlands mit A. Merkel an der Spitze setzt diesem Prozess nichts entgegen. Sie begünstigt ihn.

Die einzige politische Kraft im derzeitigen Parlament Deutschlands, die konsequent gegen die selbstmörderische Politik der Regierung Merkel und die Islamisierung des Landes auftritt, ist die Partei Alternative für Deutschland, die bei den Bundestagswahlen im September 2017 von vielen Deutschen aus Russland gewählt worden ist. Dieser Tendenz muss Nachdruck verliehen werden, um schließlich auf friedlichem Wege den Regierungswechsel herbeizuführen und das deutsche Volk vor der programmierten Abschaffung zu retten. Die Veteranen der „Wiedergeburt“ können und müssen dazu ihren Beitrag leisten

Der Volksrat der russischen Deutschen

Zurück zum Jubiläumstreffen des „Konvents“ am 29. April 2018. Eine Bildergalerie zu dem Event findet sich hier (klick). Anwesend waren neben dem Bundestagsabgeordneten Waldemar Herdt die schon bekannten Herren Groth, Daub, Triller sowie der Verfasser des oben besprochenen offenen Briefes Viktor Streck. Jener Viktor Streck, ist Autor (Arnshaugk-Verlag, Ost-West-Panorama) sowie Verleger (und Produzent?) der geschichtsrevisionistischen Doku „Der letzte Mythos“ über Suworows Kriegsschuldthesen (Seite nur noch im Webarchiv zugänglich).

Auf diesem Kongress, der von 162 Personen besucht wurde, wurde eine weitere Organisation gegründet: der „Volksrat der russischen Deutschen“. Vorsitzender dieses neuen 25köpfigen Gremiums ist MdB Waldemar Herdt, seine Stellvertreter sind Heinrich Groth und Viktor Müller. volksratDer „Volksrat“ maßt sich laut Eigenangabe an, als „höchster öffentlicher Repräsentant der Russlanddeutschen (…) der im Interesse der gesamten Gemeinschaft deutscher Einwanderer aus den postsowjetischen Republiken handeln kann und muss“ zu sein. Erst kürzlich, im Dezember 2018, trafen sich 17 Herren des Vorstands dieses „Volksrat“ und demonstrierten auf einem Gruppenfoto eindrücklich, die Nähe der Russlanddeutschen in der AfD in die beschriebene rechte Szene (1.R., 2. v. l.: Daub, 2. R., v. r.: Triller, Groth, MdB Herdt, hinten, weißes Jackett: Streck).

 

Quellenhinweise Abbildungen:

Beitragsbild: Anteil Russlanddeutscher nach Föderationssubjekten: Rotesdiadem [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, von Wikimedia Commons

Abbildung 2: Heinrich Groth (rechts), ehemaliger Vorsitzender von „Wiedergeburt“ mit Horst Waffenschmidt (1933−2002) in der Mitte, von 1988 bis 1998 Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen [Foto (15.03.1991): Wikimedia Commons. координационный центр ВОСН „Возрождение“ CC BY-SA 3.0].

Literatur:

Lutsevych, Orysia (2016): Agents of the Russian World. Proxy Groups in the Contested Neighbourhood. Hg. v. Chatham House. The Royal Institute of International Affairs. London, zuletzt geprüft am 26.07.2017.

Olt, Reinhard (1992): An der Wolga Siedlungsgebiete für Deutsche ausgewiesen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.1992, S. 5. Online verfügbar im Archiv der F.A.Z. (Bibliothekszugang)

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